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Wie wird man ein digitaler Nomade?

Noch erstaunlicher fand ich die Tatsache, das bereits einges an Literatur zu diesem Thema existiert. Der deutsche Soziologe Heiner Hasted spricht beispielsweise von modernen Nomaden als „Jobnomaden und Wohlstandssucher“. Der moderne Kapitalismus hat längst das traditionelle Bild der ortsstabilen Arbeitsplätz aufgegeben, nur der Nomade als Lebensform kann die Flexibilitätsanforderungen der globalisierten Welt weitgehend erfüllen. Hastedt glaubt deshalb an die Vision einer weltweiten gesellschaftlichen Transformation zu erkennen: „Aus sesshaften Menschen werden Nomaden.“
1997 erschien das von Tsugio Makimoto und David Manners geschriebene Buch „Digital Nomads“. Es wurde zu einem Gründungsmanifest eines, für das 21. Jahrhundert typische Arbeitsstil. Die Begründer des Begriffes des digitalen Nomaden, Makimoto und Manners, skizzieren in ihrem Buch die Folgen des digitalen Nomadentums. Es bedeutet in erster Linie eine Reduzierung der sozialen Kontakte in der „Heimat“. Man muss bereit sein, die Verwurzelung in der Heimat aufzuheben, sein soziales Netzwerk vor Ort zu reduzieren. Hier liegt die Bereitschaft eher in der Akzeptanz des Unvermeidlichen, denn die lange Abwesenheit führt zur Entwurzelung und Verdünnung der sozialen Einbindung. Die Fähigkeit, sich von der eigenen Vergangenheit zu lösen und Fragmentierung zu akzeptieren ist die herausragende Charakterisierung des modernen Nomaden.
Im weiteren Schritt muss man sich seinen Lebensstil der Mobilität anpassen. Eigentum und Besitz gelten nicht mehr als Kriterium des Erfolgs, die Befreiung und Access ist die Devise. Den Wohnsitz in der „Heimat“ ist möglichst klein zu gestalten, idealerweise in der Größe, wie man es in der Fremde zu erwarten hat. Es sollte für einen digitalen Nomaden keinen Unterschied in der Lebensweise in der Heimat und in der Fremde geben.
Für den digitalen Nomaden zählt Eigentum nicht mehr. Das heißt nicht, dass er dem Eigentum entsagt. Ein gewisses Maß an Eigentum wird er pflegen, aber an Nutzen, Effektivität und Tragbarkeit (wörtlich als Gewicht gemeint) messe, Vielmehr zählt der Zugang, der „Access“. Nach Jeremy Rifkin wird das Eigentum sukzessive verschwinden, sehr zur Freude der modernen Nomaden. An Stelle des Eigentums werden Netzwerke treten, und das Streben nach Eigentum wird durch das Streben nach Zugang und Zugriff auf das, das diese Netzwerke zu bieten haben, ersetzt. Damit können die digitalen Nomaden ihr buchstäblich einziges Produkt, das geistige Kapital, auf neuen Märkten anbieten. Konzepte, Ideen und Vorstellungen genieren sich zu ihren Handelsgütern.
Für digitale Nomaden gibt es mit Nationalität und Kultur nur Hintergründe, seine Lebenswelt bildet jene Kultur, in der er sich gerade bewegt. Deshalb denkt der digitale Nomade nicht in Kategorien, zwischen Geburt und Tod.sondern in Relationen. Laut dem deutschen Philosophen Heiner Hastedt pflegt der moderne Nomade eine andere Denkweise als der sesshafte Mensch. Der moderne Nomade ist es gewohnt, Selbstverständlichkeiten zu überschreiten und das Gelernte und Eingeübte hinter sich zu lassen, Sprich, das Denken in Relationen:
„Denken in Relationen steht für den Versuch, unter Aufgabe von Selbstverständlichkeiten zu Abwägungen und Überlegungen zwischen den Kontexten zu kommen.“ (Hastedt) Die modernen Nomaden wechseln auch im Denken die Orte. Er ist kein Revolutionär, aber er verändert durch seine gedankliche Flexibilität die Welt. Diese Denkweise erlaubt es ihnen, langfristige Geschäftsverbindungen in der vernetzten Ökonomie aufzubauen.
So liebe Leute, jetzt wisst ihr es. Das bin ich. Flexibel, unbegrenzt und vor allem denkerisch (was immer damit gemeint ist). Zeit, den Kaffee zu trinken.

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